Deutschland hat geliefert: Am 3. September 2025 hat das Bundeskabinett den Regierungsentwurf zur Umsetzung der CSRD beschlossen – weitgehend 1:1 zur EU-Vorgabe und im Einklang mit dem „Substance Proposal“ aus Omnibus I (u. a. 1.000-Mitarbeitenden-Schwelle). Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz hat Entwurf und Infopapier veröffentlicht.
Was daran irritieren sollte!
Der Green Deal war nie nur Emissionspolitik. Sein Ziel war es, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und Unternehmen widerstandsfähiger zu machen. Sehr lesenswert fasst die Financial Times die aktuelle Lage zusammen – zwischen Entlastung auf der einen Seite und dem Risiko sinkender Transparenz auf der anderen: Rowback on EU green rules.
Und die FT steht mit dieser Einschätzung nicht allein:
- Die EZB mahnt an, dass Unternehmen mit >500 bis <1.000 Beschäftigten im CSRD-Scope bleiben sollten. Zudem sollen signifikante Institute (Banken) unabhängig von ihrer Größe berichten. Begründung: Ohne verlässliche Daten fehlen zentrale Grundlagen für Aufsicht, Finanzstabilität, Geldpolitik und klima-/naturbezogene Maßnahmen (3.1.7)
- Auch Accountancy Europe warnt, dass eine Begrenzung nur auf >1.000 Mitarbeitende die Datenbasis massiv ausdünnen würde – mit Folgen für Kapitalallokation und Risikobewertung.
- Die CSRD selbst warnt in Paragraph 14 ausdrücklich darauf hin: Ohne politisches Handeln wächst die Kluft zwischen dem Informationsbedarf der Nutzer und den von Unternehmen bereitgestellten Daten – mit der Folge potenzieller systemischer Risiken für die Finanzstabilität.
Warum wir einen neuen Begriff brauchen
Nachhaltigkeit und ESG – beides Begriffe, die erst gehyped und dann verbrannt wurden. Damit droht der Blick auf den eigentlichen Nutzen verloren zu gehen.Klimawandel, Technologiewandel, Rohstoffknappheit, fragile Lieferketten, geopolitische Krisen – diese Megatrends wirken unmittelbar auf Stabilität und Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Das verlangt, Risiken umfassender zu bewerten, Chancen gezielt zu nutzen und Stakeholder systematisch einzubinden.
Was bedeutet das für Unternehmen?
Deshalb sollten Unternehmen viel mehr über Resilienz sprechen – und darüber, welche Daten wir brauchen, um die Widerstandsfähigkeit von Unternehmen fundiert beurteilen zu können, bevor systemische Risiken die Wirtschaft erschüttern. Ein Blick auf einen Frontrunner: Der NBIM (Norwegischer Staatsfonds) hat längst gehandelt. Für ihn sind belastbare Daten eine zwingend notwendige Voraussetzung, um Investitionen langfristig absichern zu können.
In den letzten Monaten haben wir mit Vertreter:innen aus Forschung, Banken, Versicherungen, Unternehmen und NGOs über den Resilienzbegriff diskutiert. Klar ist: Wenn wir zum Kern zurückkehren wollen, müssen wir breiter ansetzen. Bei cometis kombinieren wir traditionell die Linse des Kapitalmarkts mit der der Nachhaltigkeitsberatung. Gemeinsam arbeiten wir deshalb daran, den Begriff Resilienz so zu operationalisieren, dass Unternehmen künftig jenseits der Frage, ob Nachhaltigkeit Pflichtübung oder „Teil der DNA“ ist, den Nutzen und die Nutzung klarer herausstellen können.
Über cometis
Seit 25 Jahren verbinden wir Kapitalmarktexpertise mit tiefgehender Nachhaltigkeitsanalyse und strukturierten Beratungsansätzen. In über 1.000 Mandaten haben wir gelernt, sowohl langjähriger Partner als auch flexibler Know-how-Booster zu sein. Ob beim Börsengang, in der M&A-Transaktion, bei der (doppelten) Wesentlichkeitsanalyse oder im Spannungsfeld komplexer ESG-Regulatorik: Wir bringen Klarheit in anspruchsvolle Fragestellungen und schaffen belastbare Entscheidungsgrundlagen. Mit unseren Leistungen liefern wir genau das, worauf es Ihnen ankommt– wirtschaftlichen Erfolg, nachhaltige Wirkung und am liebsten natürlich beides zusammen.