News und Studien cometis AG, Frankfurt am Main

Der „Untergang des Aktien-Researchs“… eröffnet neue Chancen für den börsennotierten Mittelstand

Researchberichte werden seltener. Die aktuellen rechtlichen Vorgaben der EU-Richtlinie MiFID II wirken nochmals trendverstärkend. Kleinere und mittelgroße Aktiengesellschaften verschwinden aus den Coverlisten der Researchabteilungen. Deren Papiere werden seltener gehandelt und die Banken können weniger Provisionen verdienen. Zugleich bleiben diese Werte jedoch attraktiv für Investoren. Der Mittelstand ist innovativ und wächst schneller als Großunternehmen. Es entsteht eine Lücke zwischen den ungebrochen attraktiven Investitionsmöglichkeiten und dem geringen unabhängigen Researchangebot. Zugleich findet bezahltes Research keine Akzeptanz bei Investoren. Welche Chancen ergeben sich daraus für börsennotierte Mittelständler?

Seit der Jahrtausendwende dünnen viele Banken ihre zentralen Abteilungen aus. Die Finanzkrise hat diesen Trend verstärkt. Das Ergebnis: Laut DVFA ging in den letzten 20 Jahren die Zahl der Aktienanalysten in Deutschland um rund ein Drittel auf rund 250 zurück. Die Regulierung durch MiFID II dürfte die Schrumpfung nochmals beschleunigen. Die EU-Richtlinie schreibt vor, dass Investoren direkt für das erhaltene Research zahlen. Zuvor wurde das Research über Handelsaufträge subventioniert. Seither muss das Research separat bestellt – und auch bezahlt – werden. Offenbar genügt die Qualität vieler Studien nicht den Anforderungen der Investoren. Andernfalls wären sie gerne bereit zu zahlen. Auch von den Emittenten selbst bezahltes Research dürfte wenig daran ändern. Zum einen wird kaum ein Emittent kritische Studien zu seinem Unternehmen vergüten. Zum anderen werden aber gekaufte Studien von den Investoren nicht akzeptiert. Es stellt sich die Frage, wie Anbieter des von Emittenten bezahlter Studien überhaupt (seriös) Geld verdienen können. Folglich dürften aufgrund der geringen Zahlungsbereitschaft der Investoren und der Emittenten viele Banken abermals die Axt an die (Kosten)Stellen legen.
Mit der sinkenden Zahl von Analysten schrumpft auch die Zahl der analysierten Unternehmen. Über kleinere und mittlere Unternehmen wird immer seltener berichtet. Und manche Firmen werden gar nicht mehr beobachtet. Fehlt die neutrale Beurteilung der Qualität mancher Aktien, besteht die Gefahr, dass viele Investoren ganz die Finger von diesen Unternehmen lassen. Geht also im Small und Mid Cap-Bereich das Licht aus? Das muss keineswegs zwangsläufig so sein – wie die Entwicklung des Medienwelt zeigt.

Parallelen zur Transformation der Medienwelt
Der Siegeszug des Internets geht mit einem Bedeutungsverlust klassischer Printmedien einher. Gerade jüngere Leute greifen kaum noch zur Tageszeitung. Das spiegelt sich auch in den Redaktionen wider. Seit der Jahrtausendwende ist die Zahl der bei Tageszeitungen und Zeitschriften beschäftigten Journalisten von rund 30.000 auf rund 20.000 zurückgegangen. Der Aderlass von rund einem Drittel ist eine auffällige Parallele zur rückläufigen Zahl von Finanzanalysten. Zurück bleibt aber keineswegs ein Vakuum. Andere Medien füllen die Lücken. Internetmedien gewinnen an Bedeutung. So hat Twitter mit dem fleißig zwitschernden US-Präsidenten eine zuvor kaum für möglich gehaltene Bedeutung erhalten. Und auch YouTube prägt inzwischen die politische Diskussion – wie dies zuletzt die CDU schmerzlich erfahren musste. Das Berufsbild des „Youtubers“ oder „Influencers“ war vor wenigen Jahren noch unbekannt. Heute sind Influencer am Meinungsmarkt etabliert und gewinnen weiter an Bedeutung. Bereits jetzt tummeln sich hierzulande rund 30.000 Influenzer im Netz. Dabei vereinigen drei Prozent der Youtuber 85 Prozent aller Views auf sich – und agieren umso durchschlagender. Wer sich weiterhin Gehör verschaffen will, muss die neuen Kanäle adäquat bedienen.
Wie könnte nun die Zukunft der Analystenglide aussehen? Viele werden vorausssichtlich in die Bereiche Corporate Finance und Investor Relations wechseln oder in den Finanzbereich von Unternehmen gehen. Die Besten werden vermutlich vom Buyside-Reseach großer Vermögensverwalter aufgesogen. Einige unternehmerisch denkende Analysten werden sich als Einzelkämpfer versuchen oder zu Miniteams formieren und über das Internet neue Kundengruppen erschließen. Kleine Einheiten agieren schneller als herkömmliche Researchfabriken. Sie können ihre Kommunikation individuell auf spezielle Zielgruppen zuschneiden. In einem nächsten Schritt könnten sich die Einzelkämpfer zu schlagkräftigeren Netzwerken, Brands zusammenfinden. Die breit aufgestellten Anwaltskanzleien sind eine entsprechende Blaupause.

Solange es lohnende Investitionsmöglichkeiten gibt, wird das Angebot sich seine Nachfrage schaffen. Investoren dürften auch bereit sein für gute Informationen zu zahlen. Aber nur wenn sie einen Mehrwert erkennen. Hier entsteht eine Chance für gute Aktienanalysten. Dann sollten sie allerdings nicht nur Unternehmensmeldungen umformulieren, sondern müssen einen echten Mehrwert liefern. Sektorspezialisten werden vermutlich europaweit oder weltweit agieren. Wie herkömmliche Branchen ihre Produkte vom Automobil bis zum Smartphone international vertreiben, dürften auch Researcher global ihre Kunden gewinnen.

Schlussfolgerungen für die Investor Relations Arbeit
Das (potenzielle) Interesse der Investoren bleibt unverändert. Das Research wird aber weniger. Unternehmen müssen deshalb zukünftig ihre Börsennotiz selbst steuern. Mittelständische Unternehmen sollten zukünftig differenzierter kommunizieren. Über die Pflichtberichterstattung hinaus werden weitere zielgruppengerechte Informationen zum Trumpf. IR-Factbooks können Unternehmensstudien ersetzen. Zudem erweitern brokerunabhängige Roadshows und Capital Market Days die Aufgaben der IR-Manager. So lässt sich das Interesse internationaler Anleger wecken. Mit Videobotschaften lassen sich auch private Investoren gewinnen. Wie in der Medienwelt dürfte damit zukünftig in der Investor Relations-Arbeit die direkte Kommunikation – also ohne Broker oder andere Mittler – stark an Bedeutung gewinnen. Das gilt sowohl für digitale als auch die klassische, persönliche Kommunikation.

Michael Diegelmann
Henryk Deter

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