Die größten Unternehmen weltweit liefern Investoren nur unzureichende ESG-Informationen

Last updated Mar 4, 2021 at 10:00AM | Published on Mar 3, 2021 | Pressemitteilung

  • ESG-Berichterstattung der größten börsennotierten Unternehmen aus Europa, den USA und Australien: es mangelt an Vergleichbarkeit und Transparenz.
  • Nur 27 % aller Berichte bieten eine Methodologie, 19 % legen offen, wie ihre Daten erhoben wurden und nur 18 % beschreiben, wie sie auf ESG-Themen ihrer Stakeholder eingegangen sind.
  • Europäische Unternehmen dominieren das Global ESG Monitor Ranking – acht der Top 10 Unternehmen sind Europäer.
  • Die Berichterstattung über ESG in einem separaten Nachhaltigkeitsbericht führte zu besseren Ergebnissen als die Integration nichtfinanzieller Informationen mit dem Geschäftsbericht.
  • Berichte erfüllen nur zu 29% zumindest teilweise die “accounting metrics” der internationalen SASB-Standards, obwohl doppelt so viele Berichte (57 %) SASB erwähnen.

Wiesbaden, Washington D.C., Melbourne, 3. März 2021. Die Transparenz in der Nachhaltigkeitsberichterstattung internationaler Unternehmen offenbart noch immer große Schwächen. Das ist das Ergebnis des Global ESG Monitors (GEM) – einer Studie der ESG-Berichte der größten börsennotierten Unternehmen in Europa, den USA und Australien. „Die ESG-Berichterstattung der Unternehmen zeigt bemerkenswerte Qualitätsunterschiede sowohl innerhalb als auch zwischen den untersuchten Regionen. Hier sind die Europäer oft die Einäugigen unter den Blinden“, sagt Michael Diegelmann, Vorstand der deutschen Investor Relations- und ESG-Beratung cometis.

Die Studie umfasste die ESG-Berichte von 140 Unternehmen aus den Leitindizes DAX (Deutschland), EUROSTOXX-50 (Europa), Dow Jones Industrial Average (USA) und S&P/ASX-50 (Australien). Dabei wurden sowohl nicht-finanzielle Informationen in den Geschäftsberichten (85 integrierte nicht-finanzielle Berichte – I-NFR) als auch offizielle Nachhaltigkeitsberichte (100 separate ESG-Berichte – S-NFR) berücksichtigt. Die Analysten entwickelten eine eigene Analysemethode, GEM ASSAY™. Kriterien wie Verständlichkeit, Transparenz, Messbarkeit, Vergleichbarkeit, Aktualität und Angemessenheit wurden herangezogen. Das GEM ASSAY™ besteht aus 53 allgemeinen und 490 branchenspezifischen Kriterien, wobei letztere sich an den „Accounting Metrics“ des Sustainability Accounting Standards Board (SASB) orientieren. Andere Rahmenwerke, wie die Global Reporting Initiative (GRI) und die UN Sustainable Development Goals (SDGs), wurden in der Studie ebenfalls berücksichtigt.

Nur etwa ein Viertel der Berichte (27 %) gibt eine Methodik an. Noch weniger Berichte (19 %) stellen Formeln, Ansätze oder Berechnungsmethoden zu den ESG-Daten zur Verfügung. Weniger als die Hälfte (41 %) der Berichte macht die Verfehlung von ESG-Zielen transparent.

Ariane Hofstetter, Geschäftsführerin des Forschungsinstituts Kohorten, sagt: “Indem wir die Nachhaltigkeitsberichterstattung messen und vergleichen, wollen wir für mehr Transparenz sorgen. Wir sind davon überzeugt, dass nur durch Transparenz die weltweiten Nachhaltigkeitsziele erreicht werden können.”

Europäische Unternehmen weit oben, US-Gesellschaften enttäuschen
Die Studie enthält eine Rangliste der analysierten Berichte. Bei einer maximalen Punktzahl von 66 Punkten enttäuschte die Berichterstattung der meisten Unternehmen mit einem durchschnittlichen GEM-Berichtswert von nur 26 Punkten.

Ariane Hofstetter: „Viele Unternehmen stellen ESG-Daten in unterschiedlicher Form zur Verfügung und verweisen oftmals auf zusätzliche ESG-Dokumente. Das macht es selbst den erfahrensten ESG-Analysten schwer, die relevanten Informationen zu finden. Einige Unternehmen kommunizieren auf ihrer Website, in mehreren separaten Berichten oder stellen ihre Informationen in tabellenlastigen Datenpaketen zur Verfügung. Dies ist problematisch, da die Informationen in diesen inoffiziellen Formaten sich oftmals ändern und zukünftige Überprüfungen unmöglich machen. Wir haben deshalb lediglich die offiziellen Geschäftsberichte und die offiziellen nicht-finanziellen Berichte analysiert.“

Unter den Top-10-Unternehmen zeigten im EURO STOXX Inditex (53 Pkt.), Santander (51 Pkt.) und BASF (49 Pkt.) die überzeugendsten ESG-Informationen in ihren integrierten Geschäftsberichten (I-NFR). Unter den separaten ESG-Berichten (S-NFR) überzeugen die europäische Intesa Sanpaolo (48 Pkt.) und das ASX-50-Mitglied Westpac Banking Corporation (47 Pkt.). Nur zwei außereuropäische Unternehmen, Westpac (5. Platz) und die US-amerikanische Walgreens Boots Alliance (8. Platz), schafften es unter den sowohl integrierten als auch separaten Berichten in die globalen Top 10:

Index Ranking Unternehmen

Von den schlechtesten 10 Berichten kamen 6 aus dem Dow Jones. Außerdem lieferten die Dow-Jones-Unternehmen insgesamt die am wenigsten vergleichbaren und transparenten Informationen unter allen vier Indizes mit durchschnittlich 23 von maximal 66 Punkten.

Stakeholder werden selten ernst genommen
Die Studie verdeutlicht den Mangel an Informationen zur Einbeziehung von Stakeholdern, wenn es um ESG-Themen geht. Mark Paterson, Leiter der auf Nachhaltigkeit spezialisierten australischen Kommunikationsagentur Currie: „Globale Standards machen den Stakeholder-Dialog zu einer Priorität für die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Allerdings ist die Transparenz rund um die Stakeholder in allen Regionen mangelhaft. Wie die Stakeholder identifiziert werden, wird in vier von fünf Berichten nicht offengelegt. Außerdem berichten Unternehmen eher darüber, wie Probleme gemanagt werden, als dass sie die von den Stakeholdern angesprochenen Themen konkret benennen.“

Obwohl mehr als 60% aller Berichte allgemeine Informationen zum ESG-Stakeholder-Dialog liefern, kommunizieren nur 42% Details zum Ansatz des Unternehmens beim Stakeholder-Engagement. Nur 18% legen offen, wie Unternehmen auf die von ihren Stakeholdern angesprochenen ESG-Themen reagiert haben.

SASB-Kriterien selten erfüllt
Um herauszufinden, inwieweit Unternehmen in ihrer ESG-Berichterstattung allgemein akzeptierte, finanziell wesentliche Informationen offenlegen, haben die Analysten die Standards des Sustainability Accounting Standards Board (SASB) herangezogen. Die SASB-Standards identifizieren diejenigen Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen, die für die finanzielle Performance der jeweiligen Branche besonders relevant sind.

Die Forscher ermittelten, wie gut Unternehmen bereits die wesentlichen ESG-Daten bereitstellen, an denen Investoren am meisten interessiert sind – auch wenn die Unternehmen sich noch nicht formell dem Reporting gemäß SASB-Standards verpflichtet haben. Lediglich 29% aller ESG-Berichte enthalten allerdings bisher Informationen, die die relevanten “accounting metrics” von SASB erfüllen. Hierbei lagen die DAX-Unternehmen mit 33% an der Spitze und die ASX-50-Unternehmen mit 27% an letzter Stelle.

Michael Diegelmann: „Die Unternehmen berichten nicht in angemessenem Umfang über finanziell wesentliche ESG-Informationen. Das bedeutet, dass viele Unternehmen nicht in der Lage sind, einen Mindeststandard der Berichterstattung zu erfüllen und keine adäquaten ESG-Informationen für die Kapitalmärkte bereitzustellen. Es ist enttäuschend, dass viele Berichte immer noch eher wie Imagegeschichten wirken und die entscheidende finanzielle Seite von ESG komplett vernachlässigen.“

Über den Global ESG Monitor
Der Global ESG Monitor (GEM) bewertet die ESG-Transparenz (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) von Unternehmen rund um den Globus. Der GEM basiert auf der Überzeugung, dass Unternehmenstransparenz in Bezug auf ESG die Grundlage für die Lösung lokaler, regionaler und globaler Nachhaltigkeitsprobleme und den Aufbau von Vertrauen bei der Weltöffentlichkeit ist.

Für die diesjährige Studie wurden ESG-Berichte von Unternehmen analysiert, die in einigen der größten Börsenindizes der Welt gelistet sind. Der GEM bewertet und stuft derzeit 140 Unternehmen nach der Qualität ihrer separaten (S-NFR) oder integrierten (I-NFR) nichtfinanziellen Berichterstattung ein. Der GEM ist eine internationale Partnerschaft zwischen cometis und KOHORTEN (Deutschland), Currie (Australien) und Xenophon Strategies (USA).

Die Analysten des GEM verwenden eine Vielzahl von Forschungsmethoden und eine proprietäre Analysemethode, GEM ASSAY™, die Daten zusammen mit Qualitätsbewertungskriterien wie Verständlichkeit, Transparenz, Messbarkeit, Vergleichbarkeit, Aktualität, Angemessenheit und Zuverlässigkeit verwendet. Es gibt 543 Datenpunkte. Die Angemessenheit der ESG-Berichte wurde anhand der Bilanzierungsmetriken des Sustainability Accounting Standards Board (SASB) für die nichtfinanzielle Berichterstattung analysiert.

Die Berichte sind öffentlich zugänglich unter www.globalesgmonitor.com.

Michael Diegelmann
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