Exit Readiness | Teil 3 von 9
Behauptete Alleinstellungsmerkmale sind im M&A-Prozess zunächst nur Hypothesen. Wie gut sie einer systematischen Prüfung standhalten, entscheidet über Bewertung und Investmentthese.
„Fakten, Fakten, Fakten.“ Das ist einer der Sätze, den ich in Transaktionsprozessen am häufigsten wiederhole – und der am häufigsten unterschätzt wird.
Wenn Sie Investoren erzählen, dass Ihre Maschine durch kürzere Durchlaufzeiten überzeugt, dann ist das zunächst eine Aussage – keine Information. Der Investor fragt sofort: Schneller als was? Wie viel Prozent gegenüber dem Branchendurchschnitt? Wo ist das belegt? Durch wen?
Alles, was Sie über Ihre Wettbewerbsvorteile sagen, wird im Transaktionsprozess als Hypothese behandelt – und systematisch überprüft. Wer das nicht antizipiert und vorbereitet, sorgt für unnötige Stolpersteine, die vermeidbar wären: Misstrauen, Verzögerungen, Bewertungsabschläge.
Wie Investoren Wettbewerbsvorteile prüfen
Investoren analysieren Unternehmen nicht isoliert – sie vergleichen systematisch. Im Zentrum steht dabei nicht die Frage, ob Ihr Unternehmen wirtschaftlich solide ist. Die entscheidende Frage lautet: Verfügt es über klar erkennbare und vor allem belegbare strukturelle Vorteile gegenüber anderen verfügbaren Investments?
Commercial-Due-Diligence-Analysen dienen genau diesem Zweck. Sie testen die zentrale Investmentthese eines Unternehmens: Marktstruktur, Wettbewerbsdynamik und Kundenwahrnehmung werden analysiert, Schlüsselkunden strukturiert befragt und Leistungsparameter relevanter Wettbewerber direkt verglichen.
Erst in diesem Prüfprozess zeigt sich, ob ein behaupteter Wettbewerbsvorteil tatsächlich strukturell ist – oder ob vergleichbare Fähigkeiten auch bei anderen Marktteilnehmern vorhanden sind. In technologisch dynamischen Märkten relativieren sich vermeintliche Alleinstellungsmerkmale dabei oft schnell.
Praxisbeispiel: Technologieführerschaft, die sich im Marktvergleich relativiert
Ein mittelständisches Industrieunternehmen positioniert sich im Verkaufsprozess als technologischer Marktführer in seinem Segment. Das Management verweist auf langjährige Entwicklungserfahrung und eine hohe Ingenieurkompetenz.
Im Rahmen der technischen Due Diligence zeigt sich: Wesentliche Teile der Technologie sind nicht durch Patente geschützt, und mehrere Wettbewerber bieten ähnliche Lösungen am Markt an.
Die technologische Kompetenz des Unternehmens steht dadurch nicht grundsätzlich infrage. Aber die behauptete Eintrittsbarriere als eigentliches Herzstück der Investmentthese relativiert sich erheblich. Die Folge: keine gescheiterte Transaktion, aber eine deutlich vorsichtigere Bewertung und eine strukturell geschwächte Verhandlungsposition.
Wettbewerbsvorteile müssen im Marktvergleich nachvollziehbar sein
Im Verkaufsprozess zählt nicht, was Sie über sich selbst sagen – sondern was sich im Marktvergleich tatsächlich belegen lässt. Typische Indikatoren für strukturelle Wettbewerbsvorteile sind beispielsweise:
- Patente oder geschützte Technologien,
- langfristige Kundenverträge mit dokumentierten Verlängerungsraten,
- hohe Wechselkosten für Kunden,
- messbare Marktanteile mit externer Belegung oder
- überdurchschnittliche Kundenbindung mit konkreten Kennzahlen wie Net Revenue Retention oder Churn Rate.
Je klarer diese Faktoren dokumentiert und extern belegt sind, desto überzeugender wird Ihre Differenzierung im Transaktionsprozess. Das kann eine Marktstudie sein, ein Technologiezertifikat, strukturierte Kundenbefragungen – oder eine saubere Dokumentation Ihrer Vertragsbasis.
Praxisbeispiel: Wenn Kundenbindung zur tragenden Säule der Investmentthese wird
Ein wachsendes B2B-SaaS-Unternehmen argumentiert im Verkaufsprozess mit einer besonders hohen Kundenbindung. Und es kann diese Position mit konkreten Kennzahlen belegen: Die Net Revenue Retention liegt stabil über 120 Prozent, die jährliche Kundenabwanderungsrate unter drei Prozent.
Im SaaS-Sektor gelten solche Kennzahlen als starke Indikatoren für Produktakzeptanz, Skalierbarkeit und zukünftiges Wachstumspotenzial. Für Investoren liefern sie genau das, was sie suchen: belastbare, externe Hinweise auf die Stabilität der Kundenbasis.
Im Verkaufsprozess wurden diese Kennzahlen zum zentralen Bestandteil der Equity Story und damit zur Grundlage für ein überdurchschnittliches Bewertungsmultiple.
Due Diligence als Stresstest: Was passiert, wenn Vorteile sich relativieren
Spätestens in der Due Diligence entscheidet sich, ob eine Investmentthese trägt. Was im Verkaufsprozess plausibel erscheint, wird hier anhand von Marktanalysen, Wettbewerbsvergleichen, Kundeninterviews und technischen Prüfungen überprüft.
Wenn sich behauptete Wettbewerbsvorteile dabei relativieren, hat das unmittelbare Konsequenzen: Bewertungsannahmen geraten unter Druck, zusätzliche Analysen werden notwendig, zentrale Elemente der Equity Story verlieren an Überzeugungskraft. Im Extremfall stellt sich die gesamte Investmentthese infrage.
Wettbewerbsvorteile entstehen nicht im Rahmen einer Exit-Readiness-Vorbereitung – sie müssen bereits im Geschäftsmodell vorhanden sein. Was die Vorbereitung leisten kann: diese Vorteile so klar zu dokumentieren und extern zu belegen, dass sie im Transaktionsprozess überzeugend dargestellt werden können.
Fazit
Im M&A-Prozess entscheidet nicht allein die Qualität Ihres Unternehmens über den Transaktionserfolg, sondern ob Ihre strukturellen Wettbewerbsvorteile im Marktvergleich überzeugend nachvollzogen werden können.
Eine Equity Story kann Wettbewerbsvorteile beschreiben. Überzeugen wird sie im Verkaufsprozess jedoch nur dann, wenn sich diese Vorteile auch im Marktvergleich belegen lassen. Wer das frühzeitig vorbereitet, kommt stärker in die Verhandlung – und kann ein besseres Ergebnis erzielen.
Halten Ihre Wettbewerbsvorteile dem Marktvergleich stand?
Behauptet ist nicht belegt. Im Verkaufsprozess zählt nur, was sich extern nachvollziehen lässt – und genau das prüfen Investoren systematisch.
Der Exit Readiness Radar nimmt im Prüffeld Markt & Wettbewerb diese Perspektive vorweg: Sind Ihre Alleinstellungsmerkmale dokumentiert und extern belegt – durch Patente, Vertragsbasis, Kennzahlen, Marktdaten – oder beruhen sie auf Selbstauskunft? Wo ist die behauptete Eintrittsbarriere strukturell, wo relativiert sie sich im Marktvergleich?
Sie erfahren vor dem Prozess, welche Ihrer Stärken bereits belastbar sind und welche Sie erst noch belegen müssen, um sie in eine Verhandlung zu tragen.
Wie der Exit Readiness Radar Ihre Positionierung sichtbar macht: exit-readiness-radar.com
Im nächsten Beitrag geht es um den nächsten Prüfpunkt, der fast immer unterschätzt wird: ob Ihre behaupteten Wettbewerbsvorteile einer systematischen Due Diligence wirklich standhalten.
Kontakt
Claudius Krause, Director cometis AG
Berater für Kapitalmarkt-, M&A- und Change-Kommunikation | 15+ Jahre Erfahrung in Transaktionskommunikation | www.exit-readiness-radar.com
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Über cometis
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