Exit Readiness | Teil 6 von 9
Investoren kaufen kein Unternehmen. Sie kaufen ihre Erwartung, dass dieses Unternehmen auch nach der Transaktion verlässlich gesteuert werden kann. Wer das versteht, versteht, worauf es in der Due Diligence wirklich ankommt
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie haben gute Zahlen. Ihre Equity Story steht. Die Wettbewerbsvorteile sind belegt. Und trotzdem verlangsamt sich der Prozess in der Due Diligence spürbar – mehr Fragen, mehr Analysen, eine zunehmend vorsichtige Stimmung auf der Käuferseite.
Was ist passiert? Meistens dasselbe: Investoren haben begonnen, nicht mehr nur die Ergebnisse zu prüfen – sondern die Strukturen dahinter. Wie entstehen diese Zahlen? Wer verantwortet was? Und: Würde dieses Unternehmen auch dann noch so funktionieren, wenn der Gründer oder Geschäftsführer morgen nicht mehr da ist?
Das ist die eigentliche Frage hinter Begriffen wie Reporting, Governance oder Kapitalstruktur: Kann dieses Unternehmen verlässlich gesteuert werden – von Menschen, die es noch nicht kennen?
Was Investoren unter Steuerungsfähigkeit verstehen
Steuerungsfähigkeit ist kein abstraktes Konzept. Für Investoren bedeutet es konkret: Gibt es klar definierte Kennzahlen, anhand derer das Unternehmen gesteuert wird? Sind Verantwortlichkeiten eindeutig zugeordnet? Erkennt das Management Abweichungen früh genug, um gegenzusteuern – oder reagiert es immer erst im Nachhinein?
Gerade im Mittelstand werden viele dieser Fragen durch die Erfahrung und das Urteilsvermögen einer einzelnen Person beantwortet – oft des Gründers oder Geschäftsführers. Das funktioniert im operativen Alltag häufig sehr gut. Im Verkaufsprozess aber ist genau diese Personenabhängigkeit ein Risikosignal: Was passiert nach dem Kauf, wenn diese Person nicht mehr da ist oder eine andere Rolle einnimmt?
Investoren kaufen daher nicht nur ein Geschäftsmodell. Sie kaufen ihre Erwartung, dass dieses Modell auch nach der Transaktion stabil funktioniert. Und diese Erwartung hängt direkt daran, ob das Unternehmen über Strukturen verfügt, die unabhängig von Einzelpersonen funktionieren.
Reporting: Wie Zahlen entstehen, sagt mehr als die Zahlen selbst
Für Investoren ist Reporting kein Rückblick – es ist ein Test. Die Frage ist nicht nur, ob die Zahlen stimmen. Die Frage ist, ob das Management sein Unternehmen anhand dieser Zahlen wirklich steuert.
In der Due Diligence wird das sehr schnell sichtbar. Investoren prüfen, welche Kennzahlen im Management regelmäßig diskutiert werden, wie Forecasts entstehen und aktualisiert werden, und wie Abweichungen zwischen Plan und Realität erklärt werden. Wenn Forecasts selten aktualisiert werden, wenn KPIs in verschiedenen Bereichen unterschiedlich definiert sind, oder wenn Abweichungen keine strukturierten Erklärungen haben – dann entsteht ein bestimmtes Bild.
Dieses Bild lautet: Das Management weiß, wie es operativ arbeitet. Aber es weiß nicht präzise, warum das Unternehmen so performt, wie es performt. Und das ist für einen Käufer, der das Unternehmen nach der Transaktion weiterentwickeln will, ein Problem.
Praxisbeispiel: Wenn die Due Diligence die eigentliche Frage stellt
Ein mittelständisches Unternehmen mit überzeugender Marktposition und soliden Zahlen geht in den Verkaufsprozess. Strategie und Equity Story sind gut aufbereitet.
In der Due Diligence stellen Investoren fest: Zentrale KPIs sind in verschiedenen Unternehmensbereichen unterschiedlich definiert. Forecasts wurden zuletzt vor mehreren Monaten aktualisiert. Auf die Frage, warum die Marge in einem bestimmten Quartal um zwei Prozentpunkte gestiegen ist, gibt es keine klare, datenbasierte Antwort – nur eine operative Intuition.
Die Diskussion verlagert sich. Statt über Wachstumspotenziale zu sprechen, geht es zunehmend um eine grundlegendere Frage: Versteht dieses Management seine eigene Performance – und kann es sie nach der Transaktion replizieren? Das kostet Zeit, Momentum und am Ende Bewertung.
Kapitalstruktur: Was hinter dem EBITDA steckt
Ein weiterer Aspekt der Steuerungsfähigkeit betrifft die Kapitalstruktur – also die Frage, was hinter den Ergebniszahlen wirklich steckt.
Zwei Unternehmen können ein identisches EBITDA ausweisen und dennoch völlig unterschiedlich bewertet werden. Entscheidend ist, wie stark ein Geschäftsmodell Working Capital bindet, wie stabil die operativen Cashflows sind und wie abhängig das Unternehmen von Fremdfinanzierung ist. Ein Unternehmen, das einen großen Teil seines Ergebnisses in freien Cashflow umwandelt, bietet einem Käufer deutlich mehr Handlungsspielraum als eines, das permanent Kapital bindet.
Diese Zusammenhänge sind nicht schwer zu erklären – wenn das Management sie versteht und erklären kann. Wenn nicht, entsteht in der Due Diligence erneut dieselbe Unsicherheit: Ist das Zufall oder Struktur? Kann das repliziert werden – oder hängt es von Faktoren ab, die sich nicht steuern lassen?
Wie schwache Steuerungsfähigkeit im Deal eingepreist wird
Wenn Investoren Zweifel an der Steuerungsfähigkeit eines Unternehmens haben, reagieren sie typischerweise auf drei Wegen – und keiner davon ist angenehm für den Verkäufer.
Erstens verlängert sich die Due Diligence, weil Investoren selbst herausfinden müssen, was das Management ihnen nicht erklären konnte. Das kostet Zeit und verändert die Atmosphäre im Prozess.
Zweitens werden Bewertungsannahmen vorsichtiger – nicht weil das Geschäftsmodell schlechter ist, sondern weil das Risiko schwerer einzuschätzen ist.
Drittens verändert sich die Dealstruktur: Unsicherheiten werden über Garantien, Earn-Out-Klauseln oder Kaufpreisanpassungsmechanismen abgesichert – was das Haftungsrisiko für den Verkäufer direkt erhöht.
Kurz gesagt: Investoren wollen keine Überraschungen nach dem Kauf. Wer zeigen kann, dass sein Unternehmen strukturiert gesteuert wird – mit klaren Kennzahlen, klaren Verantwortlichkeiten und nachvollziehbaren Prozessen – gibt Investoren genau das, was sie brauchen, um sicher zu kaufen. Und wer sicher kauft, zahlt mehr.
Fazit
Im M&A-Prozess bewerten Investoren nicht nur Märkte, Strategien und Zahlen. Sie bewerten vor allem die Strukturen, die hinter diesen Zahlen stehen – und die Fähigkeit eines Unternehmens, sich auch nach einer Transaktion selbst zu steuern.
Exit Readiness bedeutet deshalb: Schauen Sie sich Ihr Unternehmen mit der Frage an, ob es auch dann noch funktioniert, wenn Sie nicht mehr jeden Tag im Mittelpunkt stehen. Wenn die Antwort ja ist – und wenn Sie das belegen können –, haben Sie einen entscheidenden Vorteil im Transaktionsprozess.
Funktioniert Ihr Unternehmen auch ohne Sie?
Investoren kaufen die Erwartung, dass Ihr Unternehmen auch nach der Transaktion verlässlich gesteuert werden kann. Diese Frage sollten Sie selbst beantworten können, bevor ein Käufer sie stellt.
Der Exit Readiness Radar prüft Steuerungsfähigkeit dort, wo sie entsteht: in Governance & Compliance, Planung & Steuerung und Finanzen. Gibt es klare Kennzahlen und Verantwortlichkeiten? Entstehen Forecasts strukturiert? Hängt die Steuerung an Strukturen – oder an einzelnen Personen?
Das Ergebnis zeigt, wo Ihr Unternehmen bereits unabhängig von Einzelpersonen funktioniert und wo Personenabhängigkeit zum Risikosignal wird – früh genug, um Strukturen aufzubauen, die in der Due Diligence überzeugen.
Wie der Exit Readiness Radar Ihre Steuerungsfähigkeit sichtbar macht: exit-readiness-radar.com
Im nächsten Beitrag geht es um ein Thema, das im M&A-Prozess noch immer oft falsch verstanden wird: Nachhaltigkeit – und warum es dabei nicht um Image geht, sondern um Wettbewerb, Marktzugang und Risikostruktur.
Kontakt
Claudius Krause, Director, cometis AG
Berater für Kapitalmarkt-, M&A- und Change-Kommunikation | 15+ Jahre Erfahrung in Transaktionskommunikation |
Exit Readiness Radar · für Verkäufer · cometis
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Über cometis
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