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Nachhaltigkeit im M&A-Prozess: Wettbewerbsvorteil, Marktzugang oder Risiko – aber kein Image-Thema

Exit Readiness | Teil 7 von 9 

Investoren fragen in der Due Diligence nicht, ob ein Unternehmen nachhaltig ist. Sie fragen, welche wirtschaftlichen Konsequenzen das hat – heute und in drei bis fünf Jahren. 

 

Ich erlebe es in Verkaufsprozessen immer wieder. Ein Unternehmen hat eine starke Marktposition, solide Zahlen, eine überzeugende Equity Story. Und irgendwann, meistens gegen Ende der Managementpräsentation, kommt eine Folie mit dem Titel „Nachhaltigkeit“. 

Darauf: ein Bekenntnis zur CO₂-Reduktion. Ein Verweis auf die neue Photovoltaikanlage auf dem Dach. Vielleicht ein Zitat aus dem letzten Nachhaltigkeitsbericht. Das Management ist sichtlich zufrieden mit dieser Folie. 

Der Investor nickt höflich. Und fragt dann: „Welchen Anteil Ihrer Umsatzkosten machen energieintensive Prozesse aus? Und was passiert mit Ihrer Marge, wenn der CO₂-Preis auf 150 Euro steigt?“ 

Das ist der Moment, in dem viele Unternehmen merken, dass sie das falsche Thema vorbereitet haben. Nachhaltigkeit ist im M&A-Prozess kein Bekenntnisthema. Es ist eine wirtschaftliche Fragestellung – mit direkter Auswirkung auf Bewertung und Dealstruktur. 

 

Die Frage, die Investoren wirklich stellen 

Investoren interessieren sich nicht für Nachhaltigkeitsversprechen. Sie interessieren sich für Konsequenzen.

Konkret stellen sie drei Fragen: 

      • Erstens: Ist Nachhaltigkeit ein struktureller Wettbewerbsvorteil dieses Unternehmens – und wenn ja, ist das belastbar dokumentiert? 
      • Zweitens: Hat das Unternehmen die Daten, die seine Kunden, Käufer oder Regulatoren von ihm verlangen werden? 
      • Drittens: Welche Nachhaltigkeitsrisiken bestehen für dieses Geschäftsmodell – und hat das Management sie auf dem Schirm? 

Je nachdem, wie die Antworten ausfallen, wird Nachhaltigkeit zum Werttreiber, zum Hygienefaktor oder zum Risikofaktor. In keinem dieser drei Fälle reicht ein Bekenntnis. 

 

Nachhaltigkeit als struktureller Wettbewerbsvorteil

– wenn er belegbar ist 

Energieeffiziente Produktionsverfahren, ressourcenschonende Materialien, emissionsarme Produkte – das kann ein echter struktureller Vorteil sein. Er übersetzt sich in geringere Kosten, regulatorische Vorteile oder eine bessere Ausgangsposition bei nachhaltigkeitsorientierten Käufern. 

Der entscheidende Punkt: Dieser Vorteil muss nachvollziehbar belegt sein. Nicht als Selbstauskunft, sondern durch Messungen, Zertifikate oder externe Gutachten. Wenn ein Unternehmen geltend macht, dass seine Produkte einen geringeren CO₂-Fußabdruck aufweisen, müssen diese Zahlen in einer Due Diligence standhalten. 

Gleichzeitig entsteht hier ein Risikopunkt, den viele unterschätzen: Green Claims. Wer Nachhaltigkeitsaussagen macht, die sich nicht belegen lassen, produziert im Transaktionsprozess eine Haftungsfrage – nicht einen Pluspunkt. 

 

Nachhaltigkeitsdaten als Hygienefaktor: Wer sie nicht hat, verliert Marktzugang 

Auch wenn Nachhaltigkeit nicht der Kern Ihres Geschäftsmodells ist, gibt es eine Ebene, die zunehmend zum Hygienefaktor wird: die Verfügbarkeit grundlegender Nachhaltigkeitsdaten. 

Viele mittelständische Unternehmen unterliegen noch keiner direkten Berichtspflicht – aber ihre Kunden tun es oft. Das bedeutet: Sie werden zunehmend aufgefordert, Daten zu Emissionen, Energieverbrauch, Abfall oder internen Richtlinien bereitzustellen, weil Ihre Kunden diese Daten für ihre eigene Berichterstattung benötigen. 

Im M&A-Kontext wird das zur Frage der Anschlussfähigkeit: Kann dieses Unternehmen in eine größere Organisation integriert werden, die selbst nachhaltigkeitsberichtspflichtig ist? Wer hier keine Daten hat, schränkt den Käuferkreis ein oder erschwert die Post-Merger-Integration erheblich. 

 

Nachhaltigkeitsrisiken: Was passiert, wenn man sie nicht kennt 

Der dritte Aspekt ist der, der in Verkaufspräsentationen am seltensten vorkommt – und in der Due Diligence am häufigsten gestellt wird: Welche Nachhaltigkeitsrisiken bestehen für dieses Geschäftsmodell? 

Investoren denken dabei nicht nur an Regulierung. Sie denken an strukturelle Veränderungen: Wie abhängig ist das Unternehmen von Rohstoffen, die knapper oder teurer werden? Wie verändert der CO₂-Preis die Kostenstruktur? Welche Auswirkungen haben klimabedingte Lieferkettenschwankungen auf die Marge? 

Wer keine Antworten auf diese Fragen hat, fliegt aus Investorensicht im Blindflug in die Zukunft. Das erzeugt Unsicherheit im Business Case – und Unsicherheit wird eingepreist. 

Praxisbeispiel: Klimarisiken in der Lieferkette 

Ein Kaffeeproduzent bezieht Rohkaffee aus mehreren Regionen weltweit. Steigende Temperaturen, veränderte Niederschläge und Schädlingsbefall können Erträge erheblich beeinflussen. Studien zeigen, dass bis 2050 rund die Hälfte der heutigen Anbauflächen ungeeignet werden könnte. 

Investoren stellen sofort konkrete Fragen: Wie stark ist das Unternehmen von einzelnen Regionen abhängig? Wie sensibel reagieren die Margen auf Preisveränderungen? Gibt es Diversifizierungs- oder Absicherungsstrategien? 

Wer diese Fragen mit Daten und Szenarien beantworten kann, zeigt Steuerungsfähigkeit. Wer nicht antworten kann – nicht weil die Risiken unbeherrschbar wären, sondern weil sie nie systematisch erfasst wurden – erzeugt genau die Unsicherheit, die Investoren kompensieren müssen. 

 

Wie Nachhaltigkeit Bewertung und Dealstruktur beeinflusst 

Wenn Nachhaltigkeit belastbar dokumentiert ist und eine klare wirtschaftliche Logik hat, kann sie die Investmentthese stärken und zukünftige Cashflows positiv beeinflussen. Sie wird zum Werttreiber. 

Fehlen dagegen Daten oder bleibt die Risikostruktur unklar, steigt der Prüfaufwand. Investoren passen Bewertungsannahmen an oder sichern Risiken über Vertragsmechanismen ab. Nachhaltigkeitsrisiken werden damit direkt in Bewertung und Dealstruktur übersetzt – genau wie alle anderen Risiken. 

 

Fazit 

Nachhaltigkeit ist im M&A-Prozess kein isoliertes Reporting-Thema und kein Imagefaktor. Sie beeinflusst Wettbewerbsvorteile, Marktzugang und Risikostruktur Ihres Unternehmens – und wird von Investoren entsprechend analysiert. 

Exit Readiness bedeutet: Übersetzen Sie Nachhaltigkeit in belastbare Daten und eine nachvollziehbare wirtschaftliche Logik. Zeigen Sie, dass Sie die relevanten Risiken kennen und nicht im Blindflug in die Zukunft steuern. Das ist keine Klimafrage. Das ist eine Bewertungsfrage. 

 

Nachhaltigkeit als Bewertungsfrage – kennen Sie Ihre Zahlen? 

Im M&A-Prozess zählt nicht das Bekenntnis, sondern die wirtschaftliche Konsequenz: Werttreiber, Hygienefaktor oder Risiko. Wissen Sie, was davon auf Ihr Unternehmen zutrifft? 

Der Exit Readiness Radar prüft im Prüffeld Nachhaltigkeit genau diese drei Ebenen: Ist Nachhaltigkeit ein belegbarer Wettbewerbsvorteil? Haben Sie die Daten, die Kunden, Käufer und Regulatoren verlangen werden? Und kennen Sie die Nachhaltigkeitsrisiken Ihres Geschäftsmodells – oder steuern Sie im Blindflug? 

So wird aus einer Folie „Nachhaltigkeit“ eine belastbare Position – und Sie wissen vorab, ob das Thema bei Ihnen Wert schafft oder eingepreist wird. 

Wie der Exit Readiness Radar Nachhaltigkeit einordnet: exit-readiness-radar.com 

 

Im nächsten Beitrag geht es um ein Thema, das im Verkaufsprozess unterschätzt wird und doch sofort auffällt: Konsistenz in der Kommunikation – und warum Widersprüche zwischen Website, Managementpräsentation und Due-Diligence-Unterlagen teurer sind als viele denken.

Kontakt

Claudius Krause, Director, cometis AG
Berater für Kapitalmarkt-, M&A- und Change-Kommunikation | 15+ Jahre Erfahrung in Transaktionskommunikation |
Exit Readiness Radar · für Verkäufer · cometis

Sie haben Fragen? Sprechen Sie uns gerne an!

Über cometis

Seit 25 Jahren verbinden wir Kapitalmarktexpertise mit tiefgehender Nachhaltigkeitsanalyse und strukturierten Beratungsansätzen. In über 1.000 Mandaten haben wir gelernt, sowohl langjähriger Partner als auch flexibler Know-how-Booster zu sein. Ob beim Börsengang, in der M&A-Transaktion, bei der (doppelten) Wesentlichkeitsanalyse oder im Spannungsfeld komplexer ESG-Regulatorik: Wir bringen Klarheit in anspruchsvolle Fragestellungen und schaffen belastbare Entscheidungsgrundlagen. Mit unseren Leistungen liefern wir genau das, worauf es Ihnen ankommt – wirtschaftlichen Erfolg, nachhaltige Wirkung und am liebsten natürlich beides zusammen.